Co-Abhängigkeit

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Gefangen in der Sucht des anderen.

Heute wissen wir, dass eine Sucht selten alleine auftritt. Denn von einer Sucht sind immer auch die Menschen im Umfeld des Erkrankten betroffen. Daher sprechen wir von einem "Suchtsystem". Sie, als Angehörige, versuchen zu helfen, zu beschützen, zu warnen, zu erklären und zu rechtfertigen. Dieses Verhalten is gut gemeint, jedoch in vielen Fällen der falsche Weg. Den so rutschen Sie ganz leicht, genauso wie der süchtige Partner, in einen Strudel der Krankheit hinein und sind im Netz des anderen gefangen.

Eine Co-Abhängigkeit erkennen

Die Symptomatik äußert sich in Verhaltensmustern, psychodramatisch gesprochen in Rollenkonserven, die einerseits dem Beziehungserhalt zum suchtkranken Menschen und andererseits dem perfekten Bild nach außen dienen. Gerade Kinder von Suchtkranken entwickeln Rollenkonserven, die sich bei Rigidisierung in diversen Persönlichkeitsstörungen manifestieren. Co-Abhängige Verstrickungen gleichen einer emotionale Achterbahnfahrt : Hoffnung, Enttäuschung, Überforderung, Scham, Angst, Ohnmacht, Verzweiflung, Schmerz, Resignation etc. Es zeigt sich außerdem das ständige und übermäßige Verlangen, der süchtigen Person helfen und sie retten zu wollen, die zwanghafte Konzentration auf den süchtigen Menschen im Denken, Handeln und Fühlen, ein dauerhaftes Kontrollbestreben, die Bagatellisierung, Verleugnung, Rechtfertigung der Sucht, Steigerung der Hilfebemühungen trotz/wegen der Erfolglosigkeit sowie "Solidarität" mit dem süchtigen Menschen, ein treues Zu-Ihm-Halten. Diese Fixierung auf den Süchtigen hat die Aufgabe der eigenen Person zur Folge, die sich äußert in permanenter Zurückstellung eigener Bedürfnisse, Vernachlässigung und Aufgabe sozialer Kontakte und  Verleugnung schädlicher Folgen für die eigene Person.

Wozu dient die Co-Abhängigkeit ?

Ein co-abhängiger Mensch sieht die Sucht des anderen als persönliches Versagen, er hat aus seiner Sicht Schuld an allem, was nicht funktioniert. Im Gegensatz dazu versucht er alles, um den Schein der heilen Welt nach außen aufrechtzuerhalten. Außerdem fehlt der co-abhängigen Person die Fähigkeit, die Umstände klar zu benennen, eine gesunde Aggressivität und Selbstbehauptung.  Unzufriedenheiten, Wut und Ärger werden gehemmt bei gleichzeitigem Bemühen um Höflichkeit, Freundlichkeit und dem Bemühen, es anderen recht zu machen. Folgeerscheinungen können depressive oder / und psychosomatische Beschwerden und Ängste sein. Die Fixierung auf einen süchtigen Partner oder Familienmitglied lenkt ab, von den eigenen innewohnenden Schmerzen, von Leere, Einsamkeit, Minderwertigkeit und dem Gefühl der Wertlosigkeit - spiegelt der süchtige Partner einem doch genau das ...

Was hilft wirklich ?

Möchten Sie einem erkrankten Partner oder Familienmitglied wirklich helfen, müssen sie zu allererst sich selbst helfen. Wir müssen verstehen, dass wir keine Macht oder Kontrolle über das Verhalten eines anderen Menschen ausüben können - egal was wir tun, wir können einen anderen Menschen nicht dazu bewegen, sich zu verändern. Worüber wir jedoch die Macht haben ist die, uns selbst zu helfen und uns selbst zu verändern. Verändern wir uns selbst, verändert sich nach und nach auch das Suchtsystem in dem wir leben und wir gestatten dadurch nicht nur uns selbst die Möglichkeit zur Genesung, sondern auch dem suchterkrankten Menschen in unserer Umgebung. Die Hilfe die ein suchterkrankter Mensch durch uns erfahren kann, ist immer nur die Selbsthilfe. 

Sie haben ein Recht auf Lebendigkeit !